Reinigen und Desinfizieren sind zwei verschiedene Vorgänge
Der häufigste Fehler in Hygienebereichen ist, beides für dasselbe zu halten. Reinigen entfernt Schmutz und damit den größten Teil der Keime mechanisch. Desinfizieren reduziert die verbliebenen Keime chemisch. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Desinfektionsmittel auf einer verschmutzten Fläche verbraucht sich am Schmutz, bevor es wirkt.
Ebenso wenig beliebig ist die Zeit. Jedes Flächendesinfektionsmittel hat eine Einwirkzeit, die auf dem Kanister steht. Wer die Fläche nach zwanzig Sekunden trocken wischt, hat sie gewischt, nicht desinfiziert. Das ist der Unterschied zwischen einem Reinigungsdienst, der Hygienebereiche macht, und einem, der Büros macht und behauptet, Hygienebereiche zu können.
Der Hygieneplan ist die Grundlage
Arztpraxen und Kindertagesstätten brauchen einen Hygieneplan — die schriftliche Festlegung, welche Fläche wie oft, womit und von wem gereinigt oder desinfiziert wird. Für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen ergibt sich diese Pflicht aus dem Infektionsschutzgesetz; für Praxen kommen die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts hinzu.
Wichtig für die Beauftragung: Der Hygieneplan gehört der Einrichtung, nicht dem Dienstleister. Ein Reinigungsunternehmen setzt ihn um und dokumentiert die Umsetzung — es ersetzt ihn nicht. Ein Anbieter, der Ihnen anbietet, den Hygieneplan zu stellen, hat die Rollenverteilung nicht verstanden.
Was in der Praxis anders läuft
Zonen statt Räume
Ein Behandlungsraum wird nicht als Raum behandelt, sondern in Bereiche geteilt: patientennahe Kontaktflächen — Liege, Armlehnen, Griffe, Ablagen, Geräteoberflächen — werden desinfizierend bearbeitet, Böden und patientenferne Flächen gereinigt. Wer alles gleich behandelt, arbeitet entweder zu aufwendig oder zu nachlässig.
Farbcodierung
Vier Tuchfarben für vier Bereiche, meist Sanitär, Waschbecken, Möbel und Böden. Das sieht nach Bürokratie aus und ist die einfachste vorhandene Sperre gegen Keimverschleppung von der Toilette auf die Behandlungsliege. Ein Tuch geht nach dem Einsatz in die Wäsche, nicht in den nächsten Raum.
Reihenfolge
Von rein nach unrein, nicht umgekehrt. Wartezimmer und Behandlungsräume vor den Sanitärbereichen.
Dokumentation
Was nicht dokumentiert ist, gilt bei einer Begehung durch das Gesundheitsamt als nicht geschehen. Ein Reinigungsnachweis je Bereich und Termin ist kein Papierkram, sondern Ihr Beleg.
Kitas sind kein kleineres Krankenhaus
Der Unterschied ist nicht die Strenge, sondern der Schwerpunkt. In der Kita wird auf dem Boden gespielt, alles wird angefasst und vieles in den Mund genommen. Entsprechend liegen die kritischen Flächen niedriger: Böden, Tischkanten, Türklinken auf Kinderhöhe, Waschbecken, Wickelbereich, Spielzeug.
Flächendeckende Desinfektion ist hier ausdrücklich nicht das Ziel — sie ist überflüssig, belastet die Raumluft und trägt zur Resistenzbildung bei. Gründliche Reinigung ist der Standard, gezielt desinfiziert wird an definierten Stellen wie dem Wickelbereich und im Infektionsfall. Ein Anbieter, der einer Kita Rundum-Desinfektion verkauft, verkauft etwas Falsches.
Praktisch heißt das außerdem: Gereinigt wird außerhalb der Betreuungszeiten, und Mittel und Gerätschaften sind zu jeder Zeit für Kinder unzugänglich zu lagern.
Drei Fragen an jeden Anbieter
- Wie wird die Einwirkzeit eingehalten und dokumentiert? Eine konkrete Antwort trennt Erfahrung von Behauptung.
- Arbeiten Sie mit Farbcodierung, und wie werden Tücher aufbereitet? Einmalgebrauch je Bereich, danach Wäsche.
- Bleibt das Personal dasselbe? Wechselndes Personal muss jedes Mal neu eingewiesen werden — in einem Bereich, in dem Routine der halbe Hygieneerfolg ist.
Was wir in Praxen konkret übernehmen, steht auf der Seite zur Praxisreinigung. Für ein Angebot sehen wir uns die Räume an — Begehung und Angebot sind kostenlos.